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Georgikirche - Renovierungen im 20. Jahrhundert

Die Fresken werden entdeckt

Aus dem Jahr 1903 sind weitere Renovierungsarbeiten an der Kirche überliefert. Bei der Freilegung der Grundmauern an der Nordseite wurde das schon beschriebene Skelett gefunden. Dazu ein Zeitungsbericht aus dem Buchloer Anzeigenblatt vom 19. September 1903:

„Die Ausgrabungen auf dem Georgiberg bei Untergermaringen werden beendet. Freigelegt wurden die Grundmauern der romanischen Kirche (Nordseite). Eine in der Wand eingemauerte Figur, die bisher als Jochrelief angesehen wurde, wird als Vollfigur aus dem 12. Jahrhundert erkannt. Der Friedhof ist mit Wällen umgeben und der Gedanke an eine heidnische Opferstätte wenigstens nahe liegend.“

Bei der Außenrenovierung 1956/57 wurde für den schon zuvor verlegten Eingang ein Vorzeichen errichtet. Zehn Jahre später, 1966 entschloss man sich zu einer grundlegenden Innen- und Außensanierung die Kirche. Dabei sollte möglichst der ursprüngliche romanische Zustand des Bauwerks wiederhergestellt und die hölzerne Kassettendecke von 1690 vor dem Verfall bewahrt werden. Nachdem die hölzernen Altäre und die Kanzel beseitigt worden waren, begann man mit der Trockenlegung des Mauerwerks. Dazu wurde der feuchte und vermooste Putz bis auf eine Höhe von drei Metern abgeschlagen. Landeskonservator Bertram hielt es aber dann für möglich, dass unter dem Putz noch Reste alter Malereien erhalten sein könnten und er beauftragte den erfahrenen Restaurator Toni Mayer aus Mindelheim danach zu suchen. Unter größter Vorsicht wurde jetzt an Probestellen Schicht um Schicht – insgesamt sechs – abgetragen, um alte Malereien aufzuspüren. Auch die unterste und damit älteste Schicht zeigte Spuren einer Bemalung. Sorgfältig und mühevoll wurde daraufhin in der Apsis die oben beschriebene „Majestas Domini“ freigelegt.

An der Nordwand des Chores konnte man die Darstellung „St. Georg bei der Verurteilung“ freilegen und konservieren. Zu sehen sind die Verurteilung durch einen königlichen Richter und ein Teil des Urteilvollzugs; die restlichen Teile fielen dem Fensterdurchbruch (s. o.) zum Opfer.

Auch die Nordwand des Langhauses war mehrfach übermalt worden. Hier ließ sich die älteste Schicht jedoch nicht retten, die verbliebenen Farbspuren reichten für eine sinnvolle Restaurierung nicht mehr aus. Stattdessen wurde eine spätere, aus der Renaissance (um 1550) stammende „Passion Christi“ wiederhergestellt. Es handelt sich dabei um Darstellungen, die sich an die „Biblia pauperum“ anlehnen. Dabei handelt es sich um eine Ende des 13. Jahrhunderts entstandene Bilderbibel, die auf jeder Seite eine Begebenheit aus dem Neuen Testament zeigt. Diese Szene umgeben vier Prophetenfiguren und zwei Szenen aus dem Alten Testament, um den heilsgeschichtlichen Zusammenhang von AT und NT zu belegen. Der Name „Armenbibel“ hat zweierlei Bedeutungen:  die Armen (und Bauern) konnten nicht lesen, und die meisten Geistlichen auf den Dörfern waren so arm, dass sie sich die teuren Bibelhandschriften nicht leisten konnten.

Zehn Bilder einer 16-teiligen Bilderbibel sind noch zu sehen:

1 - 3 fehlen
4. Christus vor Pontius Pilatus
5. Christus vor dem Hohen Richter
6. Geißelung
7. Dornenkrönung
8. Verspottung
9 – 11 fehlen
12. Kreuzabnahme (fast zerstört)
13. Grablegung (fast zerstört)
14. Auferstehung
15. Himmelfahrt
16. Christus als Weltenrichter

Christophorus
Weihegottesdienst am 25. April 1970 nach der Renovierung; von links nach rechts: Pfr. Diedeck, Zellerberg; Pfr. Fleschhut, unbekannt.; Pfr. Lutz; Pfr. Zindath, Friesenried; Bischof Stimpfle; Bernhard Götzfried, Matthias Högg

Im westlichen Teil der Nordwand sehen wir das Bildnis eines übergroßen Christophorus mit wuchtigem Schädel und markanten Gesichtszügen. Mit seiner Rechten umklammert er einen kräftigen Stock. Typisch ist hier, dass nacheinander stattfindende Ereignisse im Bild gleichzeitig dargestellt werden: Der eigentlich dürre Stock treibt bereits Blätter, die der Legende entsprechend ja erst nach der Flussdurchquerung während seines Schlafes sprießen. Der Volksglaube damals besagte, wer den Christophorus erblickt, werde an diesem Tag nicht unvorbereitet sterben. Da Reisen damals sehr gefährlich war, wurde er somit zum Schutzpatron der Fuhrleute und Reisenden. Von der Malerei sind leider durch den barocken Fenstereinbruch die rechte Bildseite zerstört. Nur die Füße des Jesuskindes sind noch zu sehen. Dieses Bildnis kann evtl. noch aus der Gotik (um 1420) stammen.

Im Rahmen dieser Arbeiten wurde 1968 das alte romanische Portal wieder freigelegt. Dies führte zu einer Neugestaltung des Eingangs und zur erneuten Verlegung des erst 10 Jahre alten Vorzeichens. Im Fundament fand man zwei Tuffquader mit Reliefs. Beide Steine zeigen Tiere mit löwenartigen Leibern, langen Schwänzen und zur Mitte zurückgedrehten Vogelköpfen. Derartige Darstellungen sind typisch für die Romanik und weisen häufig auf Einflüsse iro-schottischer Mission hin. (Ähnliche Skulpturen finden sich auch an der Basilika von Altenstadt.) Diese Steine liegen jetzt an der Westwand des Langhauses unter der Empore. Der Fußboden der Kirche wurde zum Abschluss mit italienischem Porphyr ausgelegt.

Abgeschlossen wurde diese grundlegende Renovierung mit der Altarweihe am 25. April 1970 mit Bischof Josef Stimpfle unter zahlreicher Anteilnahme der Bevölkerung. Der schlichte,  romanische Altarstein kam im Zuge dieser Arbeiten wieder zum Vorschein. Nach christlichen Brauch wurden im Altarstein Reliquien (der frühchristlichen heiligen Jungfrau und Märtyrerin Christina) eingemauert.

Die Gesamtkosten für die Renovierung betrugen laut Rechnungsaufstellung vom 13.01.1971 DM 198.912. Die Finanzierung sah folgendermaßen aus:

57066 DM:   Diözese Augsburg
36000 DM:   Landesamt für Denkmalpflege   
10000 DM:   Regierung von Schwaben 
15000 DM:   Landkreis Kaufbeuren   
40145 DM:   Haussammlung in der Pfarrgemeinde  
36727 DM:   Freiwillige Spenden und Opfer          
  7000 DM:   Kreissparkasse Kaufbeuren
  5000 DM:   Sennereigenossenschaft      
  1000 DM:   Alpursa Biessenhofen     
  3963 DM:   Frondienstleistungen (1032 Std. Handarbeit a 3,50 DM; 70 Std. Spanndienste a 5,00 DM)

211901 DM gesamt

Beachtenswert in dieser Aufstellung sind sicherlich die über 1000 Stunden  Handarbeit und die beiden Posten „Haussammlung“ bzw. „Freiwillige Spenden“; diese beiden Beträge deckten immerhin 39 % der gesamten Kosten ab!

Autor: Gerd F. Thomae

 

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