Die Kirche - Umbauten und Renovierungen
In einem Bericht des Bayr. Landesamtes für Denkmalschutz aus dem Jahr 1967 lesen wir, dass das Fundament der Kirche nicht gemauert oder betoniert war, sondern dass dieses aus vermörtelten Kieseln bestand, die anscheinend in zuvor ausgehobene Gräben geschüttet wurden.
Ursprünglich bestand zwischen Langhaus und Chor eine Höhendifferenz von 77 cm. Sie wurde durch drei 25 cm hohe Stufen überwunden, die beträchtlich vor dem Chorbogen im Langhaus lagen (zur untersten Stufe betrug der Abstand 1,78 m). Bei den Veränderungen des Niveaus wurde diese Differenz zweimal bis auf 26 cm verringert; dieser Höhenunterschied besteht noch heute.
Zum ursprünglichen Baubestand gehörten 2 Türen. Der Haupteingang lag fast in der Mitte der Südseite. Seine Gewände sind im Mauerwerk noch erhalten, der Bogen ist durch das mittlere große Barockfenster abgeschnitten. Der jetzt ebenfalls vermauerte Nordzugang ist außen nur als 66 cm breite Nische erhalten. Innen beträgt der Abstand der Gewände 90 cm. Die vermutliche Schwelle, die sich im Mauerwerk undeutlich abzeichnet, liegt auffallend hoch. Darüber bleibt nur eine lichte Höhe von 1,5 m bis zu einem Sturz aus 8 cm starken Bohlen, auf denen das Tympanon aufliegt.
An den Fenstern ist die Kirche besonders häufig verändert worden. Das Scheitelfenster der Apsis ist – wohl in Zusammenhang mit einem Altaraufbau – durch ein Türchen von 1,50 x 0,65 m ersetzt worden. Statt dessen wurde das Rechteckfenster auf der Südseite der Apsis eingebrochen, das inzwischen wieder zugemauert wurde.
Das Langhaus war ursprünglich ausschließlich von Süden belichtet. Dort sind Reste von drei hoch sitzenden romanischen Rundbogenfenstern sichtbar. Von diesen drei Fenstern sind das östliche und das mittlere durch ein großes Spitzbogenfenster ersetzt worden. Das westliche behielt seine romanische Form. Aus diesem Umstand darf geschlossen werden, dass damals schon eine Westempore bestand. Der Turmanbau hatte zur Folge, dass das östliche Spitzbogenfenster vermauert und durch ein dicht daneben liegendes ersetzt wurde. Bei einem vierten Umbau erhielt die Südseite zwei große Korbbogenfenster (das eine machte die Verlegung der Türe nötig) und ein Ovalfenster. Zugleich wurden die beiden Fenster des Chorraums und das eine der Langhaus-Nordseite eingebrochen.
Vorher, aber vermutlich nach den Spitzbogenfenstern der Südseite, hatte die Nordseite ein Rundfenster erhalten, das den Bogen der kleinen Schlupftüre störte, die zu diesem Zeitpunkt also schon zugesetzt gewesen sein muss. (Die Türe ist von außen noch erkennbar.)
Im Triumphbogen finden sich Aussparungen, in denen ein Balken von 20 cm Breite und 25 cm Höhe gelegen haben muss. Das Mauerwerk rund um die Balkenlöcher ist intakt. So lässt sich mit Sicherheit sagen, dass der Balken nicht nachträglich eingefügt, sondern beim Aufmauern der Zungen eingelegt worden ist. Dieser Balken hat das oben beschriebene Kruzifix getragen.
An der Südseite steht der spätgotische, 36 m hohe Turm aus dem 15. Jh. Er wurde zunächst 5-geschossig aufgeführt, aber schon bald danach um ein Geschoss erhöht (die zugemauerten Klangarkaden sind noch gut erkennbar). Im Turm befinden sich unten die Sakristei, darüber eine Eremitenwohnung, in der bis ca. 1800 ein Klausner gelebt hat.
Im Laufe der Jahrhunderte wurden an und in der Kirche – wie der Bericht zeigt - zahlreiche Veränderungen vorgenommen. Die meisten sind aus dem späten 17. Jh. und dem 18. Jh. überliefert. Damals wurden die übergroßen Korbbogenfenster in die Mauer gebrochen (s. o.) und die Kirche barockisiert. Im 19. Jh. erhielt die Kirche neuromanische Altäre. Der damalige Hochaltar zeigte den hl. Georg (von A. Oswald 1870); links und rechts davon waren St. Nikolaus und St. Ulrich zu sehen.
Die Seitenaltäre im Langhaus der Kirche zeigten auf der Evangelienseite die unbefleckte Jungfrau Maria, auf der Epistelseite St. Josef. Heute dient letzterer (nach nicht belegbaren Angaben Dritter) als Fronleichnamsaltar beim Anwesen Georg Wiedemann. An der Nordwand der Kirche befand sich die Kanzel mit neuromanischem Aufbau; den Schalldeckel zierte eine Statue des Erlösers und vier Engel. Ihr gegenüber an der Südwand stand auf einem Wandsockel die Reiterfigur des hl Georg. Alle diese Figuren stammen aus dem Ende des 17. Jhs. St. Georg steht heute, nach der Restaurierung, in der Nordost-Ecke des Langhauses, die Figur des Erlösers auf einem Sockel an der Nordseite des Langhauses. Die Orgel und das Laiengestühl sind ebenfalls Einbauten im Zuge der Neugestaltung im 19. Jh. Gleichzeitig wurden auch die die acht vermutlich um 1700 entstandenen Bilder aus der Legende des hl. Georg an der Emporenbrüstung wieder übermalt. Die Bilder an der Kassettenholzdecke im Langhaus (um 1690) hingegen überstanden diesen „Modernisierungsschub“. Sie zeigen Engelsgestalten in Blaumalerei abwechselnd mit Szenen aus dem Leben Christi und der hl. Märtyrer in roter Tonmalerei.
Die Felder der durch Leisten geteilten Decke im Chorraum sind leider übermalt. Die beiden Langhauswände schmücken Büsten der 12 Apostel und des Paulus in Medaillons; ihre Herkunft ist nicht sicher nachgewiesen, vielleicht stammen sie aus der Werkstatt des Georg Ehle, um 1680/90. Neben dem Eingang steht auf dem Opferstock eine kleine Holzstatue des auf einem Schimmel reitenden hl. Georg aus dem Ende des 17. Jh.
Um 1700 wurde an der Ostseite der Kirche eine Kreuzkapelle angebaut. Diese Kapelle mit einem flachen Satteldach und einer Flachdecke im Innern war nach Osten in einem großen Korbbogen geöffnet. Darin befand sich eine Kreuzigungsgruppe mit Maria, Johannes, Magdalena, Petrus und dem Hauptmann sowie den beiden Schächern. Bald darauf wurde nach Osten zusätzlich noch eine Vorhalle angefügt. Wegen des steil abfallenden Geländes musste dieser Anbau zweigeschossig ausgeführt werden. Er hatte in den Seitenwänden große Durchgänge. Im Untergeschoss befand sich in einer rundbogigen, nach Osten geöffneten Nische das hl. Grab mit dem Grabchristus.
Bei der Renovierung und Restaurierung in den Jahren 1966-1970 wurden diese Anbauten wieder entfernt; die Kreuzigungsgruppe steht jetzt in der 1968 erbauten Aussegnungshalle in der Nordostecke des Friedhofes, das heilige Grab ist Teil des Kriegerdenkmals. 1988 wurden vier Figuren der Kreuzigungsgruppe aus der Leichenhalle gestohlen, konnten aber glücklicherweise bereits nach 10 Tagen unversehrt wieder sicher gestellt werden, da der Händler, dem sie zum Kauf angeboten wurden, Verdacht schöpfte und die Polizei einschaltete. (AZ-Bericht vom 21.05.1988)
Das ursprünglich über dem Eingang zur Sakristei hängende Votivbild mit der hl. Dreifaltigkeit, Maria, Johannes dem Täufer und dem hl. Georg findet man jetzt auf der Empore. Es zeigt auch schon die Rosenkranzbildstöcke; darunter kann man lesen: „daß ... dem hl. Georg zu Ehr die Pfarrgemeinde für die übergroße Gutthat, durch welche ... Roß und Vieh von aller Suchtfall erhalten wurden, diese Tafel malen ließ, 15. Okt. 1756“ (Text in Ausschnitten). Auch das Bild der hl. Helena, das sich im Chorraum befand, und die vier Engel vom Schalldeckel der ehem. Kanzel wurden dort angebracht.
Autor: Gerd F. Thomae
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