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Kirche Sankt Michael in Obergermaringen

Landkreis Ostallgäu Bistum Augsburg

Kirche Sankt Michael in Germaringen
Kirche Sankt Michael in Germaringen

Der Namenspatron Michael (wer ist wie Gott [hebr.]) gilt als der Engelfürst, der Satan und dessen Streben nach Gottgleichheit mit eben dieser Frage entgegengetreten ist: „Wer ist wie Gott?“

»Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt«.

"Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe; gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels sei unser Schutz. »Gott gebiete ihm«, so bitten wir flehentlich; du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, stoße den Satan und die andern bösen Geister, die in der Welt umhergehen, um die Seelen zu verderben, durch die Kraft Gottes in die Hölle. Amen."

Ausstattung der Kirche

Altar
Altar
Chorraum
Chorraum
  • Im gewollten Gegensatz zur äußeren klassischen Erscheinung besticht St. Michael im Inneren durch die modern anmutende Schlichtheit der Architekturelemente und die abstrakte Ausschmückung.
  • quadratischer Altar aus strengem Stein mit Reliquien des Diözesanpatrons Simpert und der Märtyrerin Christina;
  • an der Ostseite ein moderner, in silbern gehaltener Tabernakel in Pyramidenform, dahinter ein neuzeitliches Meditations-Glasfenster;
  • rechts und links des Tabernakels auf zwei Steinsäulen die Apostelfürsten Paulus und Petrus;
  • links das Michaelsfenster, das zuvor an der Ostseite war;
  • Ambo aus Stein;
  • Taufstein auf eine Säule gesetzt;
  • über dem Chorbogen in hebräischen Buchstaben Jahwe, der Name für Gott Vater;
  • im Chorbogen das reichverzierte alte Barockkreuz, das zuvor an der Nordwand des Schiffes war, Christus am Kreuz für Gott Sohn;
  • an der Decke des Chorraumes eine Taube, Symbol für Gott Heiliger Geist;

    Die Seitenaltäre sind zwei kleine, schlichte Holzaltäre.

    Links über dem Altar die Statue des Hl. Michael, rechts die Muttergottes mit Strahlenkranz, eine Nachbildung der Blöcktacher Madonna in gotischem Stil durch Otto Kobel.

    Der Kreuzweg stammt von der Renovierung 1963/64, moderne Ölmalereien in silbernen Rahmen von Otto Kobel.

    Die neue Orgel, eine zweimanualige, mechanische aus der Kaufbeurer Werkstatt von Gerhard Schmid, wurde am 18. Mai 1997 feierlich eingeweiht.

    Die Kassettendecke, durch einen Brand zerstört, wurde in der alten Form wieder geschaffen. Die Kassetten sind mit zwei Goldleisten und einer dunkel gefärbten Leiste versehen.

    Zwölf Apostelleuchter sind auf Chor und Schiff verteilt.

Die Geschichte der Kirche

Friedhof
Friedhof

Die erste Kirche wird eine Holzkirche gewesen sein. Sie stand wohl schon an der Stelle, an der die 1487 in Ziegelbauweise errichtete gotische Kirche zumindest im Chor, im Unterbau des Schiffes und dem Turm noch heute steht.

1299
Der erste Pfarrer "her Mangoldt" (liutpriester zu Germaringen) wird erwähnt.

1326 Eine Urkunde nennt den hl. Erzengel Michael als Kirchenpatron: "da sant Michael rastet und Hauswirt ist..." Der erste Patron war der Kirchenstifter.

1338 Glocken werden gekauft von den Kirchenpflegern Martin Zan und Hans Desinger für 23 Jauchert Ackers, eine Hofstatt und einen Garten um 40 Pfd. Augsburger Heller.

1685 Mit großen Kosten errichtet die Pfarrei unter Pfarrer Johannes Henricus Pampselmair (1679 bis 1707) einen neuen Hochaltar. Die Seitenaltäre erleiden durch eindringenden Regen großen Schaden.

1688 Visitator Kuile befindet die Kirche als baufällig und ruinös.

1727 Gelegentlich der Erbauung der Wendelinstürme wird auch die Michaelskirche etwas verbessert. Die beiden Pfarrer Oxenreuther (1731 bis 1748) und Lindenmüller (1748 bis 1782) geben viel Geld aus eigenen Mitteln, um das Innere der Kirche zu verbessern. Der Verfall der Mauern geht aber unaufhaltsam weiter. Pfarrer Lindenmüller erwirkt schließlich beim Stift St. Moritz in Augsburg einen Zuschuss von 300 fl. Zusammen mit einer eigenen Spende von 100 Talern und 150 Schneidbäumen der Pfarrkinder kann die Kirche restauriert werden.

1752 Die Renovierungsarbeiten sind endlich fertig. Zur großen Enttäuschung von Pfarrer Lindenmüller ist die Kirche ohne jegliche Ausschmückung des Innenraumes. Bei seinem Tod hinterlässt er 4.000 fl zur Ausstattung der Kirche. Sein Nachfolger, Pfarrer Leonhard (1812 bis1835), führt diese aus. Geschwungene Eichenholzwangen des Laiengestühls mit Blumen und dünnen Rocailleschnitzereien verschönern nun den Innenraum der Kirche.

1822
Pfarrer Joseph Karl Leonhard berichtet von 299 Seelen, seit 10 Jahren unverändert: "..äußerliche Hochschätzung der Religion, innerlich aber fraglich. Herrschende Fehler sind Eigennutz, Lieblosigkeit, Spielsucht, Fluchen, Sacramentieren, Wirtshaussitzen bei der männlichen Jugend..."

1833
Unter Kirchenpfleger Martin Biechele kommt ein neues Geläut auf den Turm.

1859
Die Kirche muss wegen Einsturzgefahr geschlossen werden, ein schwerer Schlag für die Gemeinde.

1863
Das Schiff der Kirche wird wieder aufgebaut. Es folgt die Neuromanisierung der Innenausstattung. Wie in vielen Kirchen dieser Gegend werden die Barock- und Rokokoaltäre entfernt. Sogenannte modern romanische Altäre vom Bildhauer Schwarz in Kaufbeuren werden hineingestellt. Die Figuren stammen von dem Künstler Beyrer aus München. Die Spenden zu dieser Restauration fließen reichlich. So kann die Pfarrei auch neue Chorstühle aus Eichenholz mit geschnitzten Verzierungen kaufen, ebenso eine neue Ampel mit Schnur und Quasten. Ein Kreuzweg, gerahmte Bilder unter Glas, wird angeschafft.

1886
Die Gebrüder Hindelang aus Ebenhofen bauen eine neue Orgel mit 10 Registern ein. 1892 Pfarrer Anton Lipp (1882 bis 1894) berichtet von 518 Seelen.

1940
Alle vier Glocken müssen abgeliefert werden. Pfarrer Karl Frick (1920 bis 1952) schreibt einen ausführlichen Bericht über die Glocken (Archiv in Augsburg). Im Glockenturm wird eine der drei Glocken aus der Wendelinskirche aufgehängt.

1950
Vier neue Glocken werden von der Firma Gebhard in Kempten für St. Michael gegossen.

1959
Die Gemeinde lässt einen neuen Glockenstuhl errichten, ein elektrisches Läutwerk wird angeschafft.

1963
Geistlicher Rat Ludwig Lutz (1952 bis 1987) lässt den Innenraum vollständig renovieren. Die Altäre, das Chorgestühl, die Kanzel, eine Empore, Bilder und Figuren werden entfernt. Otto Kobel aus Waal († 5. Dez. 2002) gestaltet den Innenraum neu. Das Mauerwerk wird isoliert und entfeuchtet. Die Zifferblätter der Kirchturmuhr werden erneuert.

1964
Am 5. Juni vollzieht Weihbischof Josef Zimmermann aus Augsburg die Altarweihe.

1993
Ein Kirchenbrand am 16. September hinterlässt eine Bauruine ohne Decke und Dach. Unter Pfarrer Msgr. Wilhelm Tome (Ortsgeistlicher seit 1987) erfolgt der Wiederaufbau. Zur Entfeuchtung wird die Kirche abgeschnitten (außer Vorzeichen, Turm und Sakristei Innenseite) und isoliert.

1995
Feierliche Altarweihe durch Erzbischof Dr. Josef Stimpfle, Augsburg, am 05. März.

Quelle: Hildegard Stellmach für die Chronik Germaringen

Die Legenden des Heiligen Michael

Michael wird als der - schon vor Beginn der Schöpfung - Luzifer stürzende Kämpfer dargestellt.

Er war nach der Überlieferung der Engel mit dem Schwert, der Adam und Eva aus dem Paradies trieb und den Lebensbaum bewachte (1. Mose 3, 23 - 24) und der Seth einen Zweig vom Baum der Erkenntnis reichte.

Er zeigte Hagar, der von Abrahams eifersüchtiger Frau Sara vertriebenen Magd, die Quelle zur Rettung ihres und ihres Sohnes Leben (1. Mose 16, 7 - 12).

Michael gilt als einer der drei Männer, die Abraham besuchten (1. Mose 18, 1 - 16), er hinderte Abraham, den Isaak zu töten (1. Mose 22, 11 - 18), und er rang mit Jakob (1. Mose 32, 24 - 29). Michael teilte demnach das Rote Meer beim Auszug aus Ägypten (2. Mose 14, 19 - 22), führte Israel ins gelobte Land und kämpfte mit dem Teufel um die Seele von Mose.

Rettend erschien er den Jünglingen im Feuerofen bei Daniel (Daniel 3, 25 - 26), er erschien Daniel in dessen endzeitlichem Kampf gegen das Perserreich (Daniel 10) und hielt Habakuk an den Haaren über die Löwengrube.

In den Darstellungen der Johannes-Offenbarung erfüllt Michael seine besondere Aufgabe beim jüngsten Gericht: seine Posaune erweckt die Toten aus den Gräbern, er befreit die Frau mit dem Kinde und tötet im endzeitlichen Kampf - in mächtiger Bewegung, gerüstet und mit großen Flügeln - den Drachen zu seinen Füßen (Offenbarung 12, 4 - 7).

Michael wird auch als der Engel identifiziert, der den anderen Drachen in den Abgrund stürzt (Offenbarung 20, 2 - 3), er wird nach Kommentaren zur Apokalypse beim Erscheinen des Antichrist auch diesen töten.

Er gilt als der Seelengeleiter - der ältesten Vorstellung vom ägyptischen Thot und dem Hennes in griechischer Mythologie entsprechend - und hält die Seelenwaage; noch heute wird er deshalb im Totenoffizium der katholischen Kirche angerufen mit der Bitte, "dass der Bannerträger Sankt Michael die Seelen ins heilige Licht führe". Michael empfängt demnach die Seligen im Paradies, so wie Petrus an der Himmelspforte.

Quelle: www.heiligenlexikon.de


Fest des Hl. Michael:
29. September


Bauernregeln:

"Wenn die Zugvögel nicht ziehen vor Michael,
wird es nicht Winter vor Weihnachten."

"Regnet's sanft an Michaelstag,
sanft auch der Winter werden mag."

"Kommt Michael heiter und schön,
wird es noch vier Wochen so weiter geh'n."

"Wie der Hirsch an Ägidi in die Brunft tritt,
so tritt er an Michaeli wieder heraus."

"Bringt St. Michael Regen,
kannst Du gleich den Pelz anlegen."

"Auf nassen Michaelitag,
ein nasser Herbst folgen mag."