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Der Pfarrhof

Der ehem. Pfarrhof auf einer alten, nachträglich colorierten Schwarz-Weiss-Fotografie

Über den Pfarrhof in Untergermaringen berichtet uns Pfarrer Sieber aus Dösingen:
In Untergermaringen hat der Pfarrhof wiederholt seinen Standort gewechselt. Im Jahre 1590 verkaufte Pfr. Andreas Greis eine Hofstatt, worauf der alte Pfarrhof stand, gegen eine andere auf der Höhe, wo jetzt (1590) der neue Pfarrhof zu stehen kam, an den Wirt Hs. Gerle um 218 fl. Da während des 30-jährigen Krieges auch der Pfarrhof in Untergermaringen zu Grunde ging, machte Pfr. P. Kolemann 1657 den Versuch, einen neuen zu bauen, bettelte viel (Holz?) von den Nachbarherrschaften zusammen und kontrahierte eine Schuld von 650 fl., wovon im Jahre 1666 noch 328 fl. vorhanden waren. Obwohl Pfarrer von Bömelberg in den Jahren 1715 bis 1720 bei 1000 fl. Schulden für den Pfarrhof machte, und obwohl Pfr. Dr. Meichelböck von 1721 bis 1734 auf den "durch 45 Jahre übel zergangenen Pfarrhof" 286 fl. aufwendete, fanden ihn die Visitatoren im Jahre 1744 dennoch "erbärmlich, hölzern, rauchig, morsch und allenthalben baufällige".
Wiederholt mußten die abziehenden Pfarrer, bzw. die Erben der verstorbenen Pfarrer schwere Summen für den Pfarrhof leisten, so Pfr. Riedle 1763 275 fl., Pfr. Dierheimer 1858 1350 fl., trotzdem zerfiel der Pfarrhof immer mehr.

Der Pfarrhof befand sich damals bei Hs.-Nr. 13 (heute Sennereistr. 9). Nachdem der Pfarrhof immer mehr verfallen war, schlugen Regierung und Ordinariat 1859 vor, den alten Pfarrhof zu verkaufen, was Pfarrer Maushard auch tat. Am 26. Mai 1869 wurde ein ganz nahe bei der Kirche aufgeführter Wohnhaus-Neubau (erbaut 1863) nebst benachbarten Ökonomiegebäuden und Gartengründen von der Pfarrpfründe um den Kaufpreis von 3500 fl. erworben.

Die Baulast an der Kirche und ihrem Zubehör, d. i. dem Pfarrhof, hatte zunächst die Kirchenstiftung zu tragen. In zweiter Linie, d. h. wenn die Kirchenstiftung ganz oder zum Teil unvermögend war, mußten die Baulast jene tragen, welche von der Kirche einen Nutzen hatten, also jene, die den Großzehnt bezogen, die Dezimatoren, allenfalls auch die Patrone; wenn auch diese nicht genügten, konnten schließlich auch die Pfarrkinder herangezogen werden.

Die sekundäre Baupflicht (Erhaltung und Renovierung) oblag in Untergermaringen den Dezimatoren. Die St. Martins-Stiftung in Kaufbeuren löste ihre Großzehnt-Baupflicht an den Kultusgebäuden zu Untergermaringen im Jahre 1863 durch Barerlag eines Kapitals von 256 fl. ab. Zur Erleichterung der dem Pfründebesitzer obliegenden Baulast wurde aus Interkalarerübrigungen ein Pfarrpfründebaufond gegründet, welcher um 1900 zu einem Kapital von 2500 M. erstarkt war.
Das Ökonomiegebäude wurde 1983 verkleinert (um einen angrenzenden Stallbau zu ermöglichen) und dient heute zum Unterstellen von Kirchengeräten und des Leichenwagens. Der Pfarrhof wurde in den Jahren 1956 und letztmals 1985 renoviert und ist seither vermietet.
Die Kirche in Untergermaringen besaß in Obergermaringen die beiden Hofstätten Nr. 7 und 52 . Der Ertrag aus beiden Hofstätten betrug allerdings nur ca. 15 kr. Heute zinst die Pfarrpfründestiftung St. Johann immer noch an das Bistum Regensburg.

 

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