St.-Georgs-Wallfahrt und Rosenkranzbildstöcke
Im Vorzeichen lenkt ein großer, für das südliche Bayern typischer Kerkerchristus aus dem 18. Jh. die Aufmerksamkeit auf sich. Diese Christusdarstellungen wurden in der Barockzeit in Passionsprozessionen mitgetragen. Die große Verbreitung in unserer Region hängt sicher mit der berühmten Wallfahrt zur Wieskirche zusammen, die auf einen 1730 im Kloster Steingaden aus Einzelteilen verschiedener Figuren zusammengebauten „wundertätigen“ Passionschristus zurückgeht. Aber auch hier in Untergermaringen entwickelte sich im 17. und 18.Jh. eine bedeutende Wallfahrt zum hl. Georg, die einige Jahrzehnte großen Zulauf hatte und damit die finanziellen Möglichkeiten der Kirche sicher positiv beeinflusste.
In diesem Zusammenhang entstanden um 1700 wohl auch die sechs Rosenkranzbildstöcke auf dem Weg vom Dorf zur Georgibergkirche mit den alten Linden, die heute als Naturdenkmale unter Naturschutz stehen. Die Nischenbauten mit rundbogigen Öffnungen zeigen die fünf Geheimnisse des „Schmerzhaften Rosenkranzes“. Der sechste Bildstock ist Maria gewidmet, den Abschluss des „Prozessionsweges“ bildete die Kreuzkapelle an der Georgibergkirche, so dass die Pilger vom Dorf zur Kirche insgesamt sieben Mal Andacht hielten, entsprechend den sieben Tagen der Schöpfung. Am 16. März 1734 wurde in Untergermaringen eine „Bruderschaft zu Ehren des hl. Georg“ oberhirtlich genehmigt und am 15. Mai feierlich eingesetzt. Diese Gemeinschaft feierte neben dem Patrozinium noch vier Bruderschaftssonntage in der Dorfkirche. Die Bruderschaftsfahnen werden heute noch bei Prozessionen mitgetragen.
Höhepunkt des Jahres war natürlich das Georgifest am 23.04., zu dem Menschen aus 16 umliegenden Dörfern mit dem Kreuz hierher pilgerten. Außerdem fand bis ca. 1800 alljährlich ein großer Markt statt, zu dem auch Kaufbeurer Handwerker kamen (Bäcker, Hafner und Rechenmacher). Wahrscheinlich fand dieser Markt im östlichen Teil des Friedhofes statt, der damals noch nicht mit Gräbern belegt war.
Autor: Gerd F. Thomae
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