Die Freundschaft zwischen Germaringen und La Verrie
Die Gemeinde La Verrie liegt im Departement Vendée im Westen unseres Nachbarlandes Frankreich. Etwa 5 km südlich von Nantes an der Straße nach Cholet (15 km) und la Roches sur Yon (50 km), der Hauptstadt der Vendée.
Zum Atlantik sind es ca. 80 km Luftlinie. La Verrie ist mit 3.700 Einwohnern genauso groß wie Germaringen. Mehr als 2.000 Arbeitsplätze, zumeist am Ortsrand führen zu einer Steuerkraft, wie sie nur wenige Gemeinde dieser Größenordnung aufweisen. Nahezu 100 landwirtschaftliche Betriebe - von der Ammenkuhhaltung bis zur Putenmast - sind alle außerhalb des Ortes angesiedelt.
Der Junglandwirt Rene Charrier kam mit einer Gruppe junger Studierender im Jahre 1973 für 5 Tage nach Germaringen. Die kath. Landjugendgruppe hatte diese in Privatquartieren untergebracht. Die Gemeinde mit Bürgermeister Sebastian Bernhart an der Spitze veranstaltete mit der Landjugend, dem Landwirtschaftsamt und dem Musikverein beim Wendelwirt einen Gemeinschaftsabend. Es herrschte eine ausgezeichnete Stimmung und die anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten schienen bei bayerischem Bier bald überwunden zu sein.
Dazu trug natürlich der Musikverein Germaringen unter der Stabführung seines Dirigenten Eugen Stich wesentlich bei.
Die Musik hatte es dem jungen Rene angetan und so schrieb er 1975 an die Familie Josef Högg - seinem damaligen Quartiergeber -, sie möchten doch den Brief an den Musikverein weiterleiten. Die Einladung, die Kapelle möchte doch bei einem bayerischen Bierfest am 01. Mai 1976 in La Verrie aufspielen, stieß beim Vorstand und Bürgermeister Josef Kreuzer und seinen Musikern auf offene Ohren.
Am 29.04.1976 ging es mit einem "Kirschweihtal"Bus, den beiden Germaringer Fahrern Kurt Neugebauer und Karl Scherzer und dem Dolmetscher Jürgen Böhm mit 34 Personen an "Bord" über Straßburg, Nancy, Orleans (Übernachtung), Tours, Saumur, Cholet nach La Verrie, wo wir begeistert aufgenommen wurden. Das Programm war gut vorbereitet. Die französische Küche und der Muscadet fanden das uneingeschränkte Lob der Germaringer Reisegruppe, in der Jung und Alt vertreten waren. Nach nur 4 Tagen reisten wir weitere nach Tinteniac, einer Gemeinde mit 200 Einwohnern in der Bretagne zwischen Rennes und Saint Malo, einer Seeräuberfestung. (Geburtsort von Frau Andree Gött, die oftmals Sprachschwierigkeiten überwinden half.) In Tinteniac ist eine Schule mit Internat, in der junge Frauen Hauswirtschaft und heut würde man sagen, Informatik studieren können. Eine Gruppe von 60 Mädchen hatte schon 1974 im Rahmen eines Auslandsaufenthaltes Germaringen besucht.
In La Verrie kam der Wunsch nach einer offiziellen Partnerschaft bereits sehr früh. Im Gegensatz zu uns, wo die Freundschaft im wesentlichen vom Musikverein getragen wurde, war bei unseren französischen Freunden das gesamte Dorf bei den Besuchen aktiv dabei. Als sich immer mehr Familien unserer Gemeinde bei den Begegnungen anschlossen, fasste der Gemeinderat Germaringen auf Vorschlag von Bürgermeister Josef Kreuzer am 27. April 1990 den einstimmigen Beschluss, eine Partnerschaft zu begründen.
Bei Bürgermeister Alexis Raveleau und seinen Räten fiel dies auf fruchtbaren Boden und es wurde vereinbart, bei den nächsten Begegnungen am 04. August 1992 in Germaringen und am 02. August 1994 in La Verrie (jeweils Sonntage) eine offizielle Partnerschaft zu schließen.
Im Dorfpark von Germaringen erinnert eine Linde und im Rathaus von La Verrie eine Glocke an die Partnerschaft.
Im Jahre 2000 fand in die Partnerschaft durch den Europatag in Germaringen einen weiteren Höhepunkt. Hier wurde das Partnerschaftsdenkmal mit unseren Freunden aus La Verrie und dem Val di Sole (Italien) festlich enthüllt.
Möge diese Freundschaft zwischen La Verrie und Germaringen wie eine junge Pflanze wachsen und gedeihen auf dem Weg in ein geeintes Europa in Frieden und Freiheit.
Josef Kreuzer
im September 2001


