Die Kirche St. Georg
Die Frühgeschichte unseres Ortsteils Untergermaringen ist bereits im Einführungskapitel dargestellt worden. Wir wollen uns nun näher mit dem ältesten Zeugnis dieser frühen Siedlung, der St.-Georgs-Kirche, oder, wie sie früher auch genannt wurde, der „Kirche auf dem hohen Berg“ befassen.
Wie steht es nun mit dem Gründungsdatum? Offiziell spricht man vom Jahr 1180, mit Blick auf die bereits mehrfach erwähnte Urkunde. Diese eher zufällige Nennung aber als Baujahr der Kirche anzusetzen ist wohl nur Spekulation. Wenn ein Adeliger um diese Zeit mit einem Ortsnamen genannt wird, dann muss es bereits eine ständige Ansiedlung gegeben haben; diese kann in unserem Fall, wie bereits dargelegt, schon sehr viel älter gewesen sein. Eine feste Ansiedlung ohne Schutzbau (= Burg) ist aber in diesen Zeiten kaum vorstellbar. Immerhin überrannten die ungarischen Reiterheere im frühen 10. Jahrhundert den gesamten Süden des ehemaligen Heiligen römischen Reiches deutscher Nation. (Und die durch die Niederlage gegen die Karolinger geschwächten Stammesherzogtümer Bayern und Schwaben hatten diesem Ansturm nichts entgegen zu setzen.) Es besteht also die begründete Vermutung, dass nach dieser Zeit entweder die Burg neu angelegt oder eine bestehende Befestigungsanlage ausgebaut wurde. Die Größe der Anlage lässt den Schluss zu, dass es sich hierbei um eine der salischen Wehranlagen aus der Zeit Ottos I. (regierte von 936 – 973) handeln könnte, die nach 933 das Reich gegen weitere Plünderungen schützen sollten.
Mit Sicherheit war die Kirche nicht der erste Bauteil dieser Befestigung, aber ihre enge, auch architektonische Bindung an die Burgbauten selbst lässt eine zeitliche Nähe begründet erscheinen. Für diese Annahme spricht auch die Größe des Kirchenraumes. Verglichen mit anderen, auch später errichteten Burganlagen, wirkt der Innenraum der St. Georgskirche geradezu überdimensioniert. Ganz offensichtlich war sie religiöser Mittelpunkt eines beachtlichen Einzugsgebietes.
Wenn wir aber keine Quellen haben, wie können wir dann Näheres über die Entstehungszeit in Erfahrung bringen, ohne dass wir uns auf bloße Spekulationen einlassen?Hier helfen Beobachtungen und Vergleiche mit bekannten, datierten Bauwerken und Sekundärinformationen weiter. Grundlage dieser Vergleiche bilden natürlich in erster Linie die beiden ältesten Kunstwerke in der Kirche selbst, das Apsisfresko und das Kruzifix. Des Weiteren kann man die Plastik an der Außenwand im Norden der Kirche heranziehen, die Aufzeichnungen der ehem. Oberlehrerin Ottilie Gebler von 1961 sowie das Wissen um rechtliche Zusammenhänge zwischen Grundherren und Eigenkirchen im hohen Mittelalter.
Autor: Gerd F. Thomae
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