Landkreis Ostallgäu Bistum Augsburg
Der Namenspatron Jakobus der Ältere (der Nachgeborene oder: Gott schützt [hebr./lat.]). zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren.
Er gilt als Patron der Wachszieher, Kettenschmiede, Apotheker und Drogisten; der Pilger und Wallfahrer; für das Wetter, für Gedeihen der Äpfel und Feldfrüchte.
Ausstattung der Kirche
Die Kirche ist ein schönes Beispiel für den verspielt verschwenderischen Stil des Rokkoko.
- Das von Johann Baptist Enderle gemalte grosse Deckengemälde im Chor stellt das heilige Altarsakrament dar, wie es von der Kirche Christi und den Gläubigen verehrt wird.
- Das Hauptbild im Langhaus zeigt den Sieg des spanischen Königs Ramira über die Mauren und dazu die Erscheinung des hl. Jakobus.
- Eine Anzahl von kleineren Deckenbildern in den Stichkappenzwickeln versinnbildlichen biblische und legendarische Berichte über den hl. Apostel Jakobus.
- Der Altartisch, meisterlich geschnitzt in der Altarfront, mit Blattgold überzogen und mit Halbedelsteinen besetzt, ist ein einzigartiges Schmuckstück der Ketterschwanger Kirche.
Die Geschichte der Kirche
Breits im Jahre 1297 wird eine Kirche in Ketterschwang erwähnt, doch dürfte es sich, wie in anderen Pfarreien auch, um eine Holzkirche gehandelt haben.
Als Kirchenpatron wird 1407 Jakobus der Ältere genannt. Teile des Chores dürften noch von einem spätmittelalterlichen Bau stammen.
Der Turm ist 1580 mit einem Helmdach beschrieben, wurde aber 1716 vermutlich zusammen mit Sakristei und Oratorium mit einem Zeltdach neu errichtet.
Im Jahre 1757/58 erfolgte ein durchgreifender Umbau des Chores und wohl auch ein vollständiger Neubau des Langhauses. Den Bau leitete der damalige Ortspfarrer Johann Joseph Greill persönlich, der den Chor auf seine eigenen Kosten erbaute. Er dürfte dabei einen Plan benutzt haben, der von Simpert Kraemers Stiftskirche in Roggenburg angeregt war. Greill`s Portrait ist über der Empore in einer Darstellung der Herz-Jesu-Bruderschaft zu sehen. Vorhanden ist auch eine Grabplatte dieses Pfarrherrn mit der Inschrift: "magnifica haec structura architectum praedicat" (Dieses herrliche Bauwerk preist ihn als Architekten) und "qui propriis sumptibus ac labori improbo haud parcens" (Der eigene Kosten und ein großes Maß an Arbeit nicht scheute).
Der Bau kostete damals 5187 Gulden. Das Zeltdach des Turmes muss durch eine Zwiebelkuppel ersetzt worden sein, die im Jahre 1885 neu mit Kupfer gedeckt wurde. Durch diesen Umbau ist die Kirche von Ketterschwang zu einer der architektonisch reizvollsten Landkirchen des Kaufbeurer Gebietes geworden.
Die Weihe der Kirche erfolgte am 19. Juni 1768 in grosser Feierlichkeit durch Weihbischof Adelmann von Augsburg. Die Innengestaltung besorgten der Stukkator Joseph Fischer aus Faulenbach und der aus Söflingen gebürtige, dann aber in Donauwörth ansässige Maler Johann Baptist Enderle.
Ab 1860 begann dann Pfarrer Johann Georg Kerle die Pfarrkirche im Stile der damaligen Zeit zu restaurieren. Bis 1869 schaffte er einen neuen Hochaltar und ein neues Altarbild an. Weiterhin liess er durch Johann Kaspar von Obergünzburg die Seitenaltäre umbauen, deren Altarbilder erneuern und die Kanzel neu fassen. Bei dieser Restaurierung ist die ursprüngliche Einrichtung im Rokoko stilistisch teilweise beeinträchtigt worden.
Die letzte umfassende Innenrestaurierung erfolgte 1970/72 und ist das Verdienst des 1981 verstorbenen und hier begrabenen Pfarrers Josef Meisetschläger, der von 1957 bis 1973 Seelsorger der Pfarrei war. Er verwirklichte damit im Zusammenwirken mit den Gemeindebürgern einen langehegten Wunsch seines Vorgängers, Pfarrer Manfred Burger.
Mit der jetzigen Gestaltung hat die Kirche ihre ursprüngliche Festlichkeit zurückgewonnen, wenn auch auf manche liebenswerte Stücke verzichtet werden musste. Fussböden und Kniebänke wurden erneuert. Mit Schnitzereiteilen der ursprünglichen vier Beichtstühle wurde ein neuer Beichtstuhl aufgebaut. Die vorhandenen fünf Altäre, teils stilfremd, teils brüchig, wurden nach eingehenden, fachkundigen Beratungen durch die bischöfliche Kunstkommission und nach denkmalspflegerischen Überlegungen entfernt. Weiterhin wurde die Orgel gründlich überholt, die 1896 von den Gebr. Hindelang in Ebenhofen geschaffen worden war. Dabei wurden alle Holzteile gegen Wurmbefall imprägniert und ein elektrisches Gebläse eingebaut. Das Kircheninnere ist aber gerade dadurch ein Juwel des Rokokos geblieben.
Eine Außenrenovierung der Kirche mit vollkommener Neubedachung wurde 1959 durchgeführt.
1969/70 erfolgte dann eine Entfeuchtung der Grundmauern und vollkommene Neufundamentierung des gesamten Kirchengebäudes.
Schliesslich wurde die Pfarrkirche mit Turm 1973/74 einer nochmaligen gründlichen Außenrenovierung unterzogen. Eine weitere Leistung der Pfarrgemeinde fiel auch in diese Jahre, die Installation einer Kirchenheizung und den Einbau eines neuen Altartisches. Dieser wurde nach dem Entwurf von Restaurator Toni Mayer, Mindelheim, in Auftrag gegeben. Die feierliche Altarweihe wurde am 3. November 1974 durch Weihbischof Rudolf Schmid vollzogen.
Doch was wäre eine Pfarrkirche ohne Glocken? Das 1930 angeschafften Glockengeläute, das als klangschönstes in der ganzen Umgebung bezeichnet wurde, wurden zu Kriegszwecken eingeschmolzen.
Quelle: Herr Stein für die Chronik Germaringen
Die Legenden des Heiligen Jakobus
Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der Salome sowie der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Jesus gab den zwei Brüdern wegen ihres Eifers den Beinamen "Boanerges", "Donnersöhne" (Markusevangelium 3, 17).
Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria - das heutige Shomron - und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 geköpft wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Apostelgeschichte 12, 1 - 2).
Apostellegenden berichten die Szenen vom Zauberer Hermogenes, den Jakobus überwand, von Dämonen befreite und die Zauberbücher ins Meer werfen ließ. Auf seinem Wege zur Richtstätte heilte Jakobus einen Lahmen und bat den Henker um eine Flasche Wasser, damit er Josias, der ihm den Strick umgelegt hatte und sich ebenfalls auf dem Hinrichtungsplatz bekehrte, taufen könne; auch Josias wurde daraufhin mit Jakobus enthauptet.
Andere Legenden berichten die Einkehr eines pilgernden Ehepaars mit ihrem Sohn in ein Wirtshaus und ihr Fortgehen, nachdem der Wirt heimlich einen Silberbecher in den Rucksack des Sohnes geschoben hat, weil der seine Tochter verschmähte; für den entdeckten angeblichen Diebstahl sollte der Sohn gehenkt werden - aber Jakobus hielt ihn, die Eltern sahen dies; dem ungläubigen Richter flog das Brathuhn vom Teller als Beweis, dass Tote lebendig werden können: Der Sohn wurde lebend vom Galgen genommen, der betrügerische Wirt statt seiner gehenkt.
Spanische Darstellungen bringen ebenfalls zahlreiche Wunder: den Steinblock, der sich von selbst als Sarkophag für Jakobus schloss und den Wagen mit den wilden Rindern, die den Sarkophag an die Stelle fuhren, wo später die Wallfahrtskirche in Compostela gebaut wurde.
In Jerusalem steht die Jakobskirche angeblich an der Stelle seines Martyriums. Im Jahr 70 seien seine Gebeine auf den Sinai ins Jakobskloster, das heutige Katharinenkloster, gebracht worden. Von dort kamen sie zur Rettung vor den Sarazenen im 8. Jahrhundert nach Spanien, wo 816 die Jakobskirche geweiht wurde; aus diesem Ort entwickelte sich Santiago de Compostela - Santiago ist der spanische Name für Jakobus.
Quelle: www.heiligenlexikon.de
Fest des Hl. Apostel Jakobus: 25. Juli
Bauernregeln:
Am Jakobstag brachten Bauern die ersten reifen Äpfel zur Segnung, oft war dies ein Markttag.
"Ist´s drei Tage vor Jakobi schön, /
wird das Korn sicher steh´n."
"Jakobi klar und rein, /
wird´s Christfest kalt und frostig sein."
"Gegen Margareten und Jakoben, /
die stärksten Gewitter toben."
"Vor Jakobi eine Rübe, /
nach Jakobi ein Rübchen."







