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Wallfahrtskirche Sankt Wendelin in Obergermaringen

Landkreis Ostallgäu Bistum Augsburg

Sankt Wendelinskirche in Obergermaringen
Sankt Wendelinskirche in Obergermaringen

"Heiliger Wendelin, erflehe uns die Gnade, daß wir voll Sanftmuth unter den Menschen wandeln, alle Unbilden und Widerwärtigkeiten um Jesu willen in Geduld ertragen, den Zorn und das Fluchen meiden und so, den Frieden im Herzen tragend, des ewigen Friedens würdig werden. Amen."

Die Legende des Heiligen Wendelin

Wandmalerei: Es sind die Kirchen St. Wendelin, St. Georg und St. Michael zu sehen
Wandmalerei: Es sind die Kirchen St. Wendelin, St. Georg und St. Michael zu sehen
Wandmalerei: Zu sehen ein gütiger Herr, wie er einem Bettler einen Groschen spendet
Wandmalerei: Zu sehen ein gütiger Herr, wie er einem Bettler einen Groschen spendet

Der Königssohn und Hirte Wendelin war vor allem im Zeitalter der Spätgotik und des Barock ein beliebter Kapellen- und Wallfahrtsheiliger. Sein Name bedeutete im Althochdeutschen "Wanderer, Pilger." Nach einer aus dem 14. Jahrhundert stammenden Legende soll Wendelin ein iro-schottischer Königssohn gewesen sein. Als jungen Mann ergriff ihn die Liebe zu Jesus Christus. Da verließ er Elternhaus, Vaterland und Krone, zog ein ärmliches Pilgerkleid an, wanderte durch England und übers Meer, bis er unerkannt die heilige Stadt Rom erreichte. Hier besuchte er die Gräber der Apostel und holte sich den Segen des Heiligen Vaters für seine Pilgerschaft in der Nachfolge Jesu. In der Nähe von Trier schaute er nach einem Ort um, wo er eine Zelle erbauen könne. Er fand ihn im Wald auf einem Hügel, fernab von den Wohnungen der Menschen. Um seinen Hunger zu stillen, erbettelte der Einsiedler Almosen. Als er einmal auf dem Weg zur Kirche einen Edelmann um eine kleine Gabe bat, schalt ihn dieser und sagte, er möge doch wenigstens die Schweine hüten, wenn er essen wolle. Wendelin begab sich nun in die benachbarte Einsiedelei des Klosters Tholey und ließ sich dort als Einsiedlerbruder einkleiden. Dann baute er neben seiner Klause eine Kapelle und setzte sein Büßerleben fort. Die Bauern kamen zu ihm, wenn Viehseuchen drohten. Der fromme Wendelin half jedesmal, sodass er bald als Heiliger verehrt wurde. Das veranlasste auch die Brüder des nahen Klosters, ihn nach dem Tode ihres Abtes zu dessen Nachfolger zu wählen. Zwanzig Jahre führte Wendelin nun das geistliche Regiment über sein Kloster. Die Kapelle wurde nach seinem Tode (617?) erweitert, um sie herum entstanden Pilgerhäuser. Im 14. Jahrhundert erhielt der Ort den Namen Sankt Wendel. Der Hl. Wendelin gilt als Schutzpatron der Tiere und der Landleute. Er ist Nothelfer der Bedrängten, Leidenden und Kranken.

"In deinen mächtigen Schutz und in deine liebevolle Fürsorge empfehle ich mich, o treuer Hirt, heiliger Wendelin! Dir übertrage ich die Sorge über mich und all die Meinigen, über mein Vieh, mein Haus und mein Gut."

Fest des Hl. Wendelin: 20. Oktober

Liturgische Feier

1. Hirtenfest am Ostermontag (mit Verehrung der Wendelinsreliquie). Zum Wendelinsfest, das in Obergermaringen immer am Dienstag nach Kirchweih gefeiert wird, kommen alljährlich noch Wallfahrergruppen aus umliegenden Orten. Am Vorabend des Wendelinsfestes findet hinter dem "Burkhardthof", Hauptstraße, eine Tiersegnung statt, bei der nicht nur die Landwirte für ihr Vieh, sondern auch Kinder für ihre Haustiere den Segen erbitten.

Geschichte der Wallfahrtskirche

Kerkerchristus, überlebensgroß, 18.Jh im südlichen Turmuntergeschoss
Kerkerchristus, überlebensgroß, 18.Jh im südlichen Turmuntergeschoss
Mönche kommen aus der St.Wendelins Kirche
Mönche kommen aus der St.Wendelins Kirche

Die Wallfahrtskirche St. Wendelin geht auf eine Feldkapelle zurück, die bereits 1580 bestand. Sie war religiöser Sammelpunkt der vielen Hirten der Umgebung und Zuflucht des Landvolkes in seinen verschiedenen Nöten. Am 2. September 1608 bewilligte der Rat zu Kaufbeuren als Gerichtsherr des Dorfes Obergermaringen, dass die Gemeinde die inzwischen zerfallene Kapelle wiederaufbaue. Die Kosten habe das Dorf selbst zu tragen. Für eine Glocke, auf der das Stadtwappen angebracht werden musste, spendete Kauf- beuren 20 fl. Im Jahre 1625 stand der Wiederaufbau der Kapelle, war aber noch nicht konsekriert. Die vielen Almosen der opferfreudigen Wallfahrer machten es möglich, 1677 drei neue Altäre anzuschaffen und das Gebäude selbst zu vergrößern. Um das Jahr 1691 wurde ein sauberes Pflaster gelegt und ein Anbau von 10 Schuh an das Langhaus gewagt. Auch neue Kirchenstühle wurden eingebaut. Dekan Kuile, damals noch Pfarrer in Oberostendorf, später Stadtpfarrer in Kaufbeuren und Dekan des Landkapitels Kaufbeuren, war vom Stift St. Moritz mit der Aufsicht über St. Wendelin beauftragt. Er beklagte, dass das Kirchlein immer noch zu klein sei. Es konnte die Zahl der Wallfahrer nicht mehr fassen. Im Hinblick auf die reichlichen Opfer dieser Gläubigen und ermuntert durch den tüchtigen Baumeister Kuile, beschloss das Stift, 1697 eine stattliche Barockkirche anstelle der Kapelle zu errichten. 1704 erfolgte die Konsekration der neuen Kirche. Schon 1726 wurden wieder umfangreiche Baumaßnahmen vorgenommen: Die Sakristei wurde angebaut, der Chor um 15 Schuh erhöht. Die beiden weithin sichtbaren Türme entstanden. Da die Kuppeln nur mit Blei eingedeckt und folglich schon 1749 wieder schadhaft waren, wurde eine Neueindeckung, diesmal mit Kupfer, notwendig. Als Umfriedung wurde um die Kirche eine Mauer errichtet. Im gleichen Jahr konnte ebenfalls eine neue Orgel angeschafft werden. Während der napoleonischen Kriege wurden Dorf und Kircher schwer heimgesucht (1804/13). Die St. Wendelinskirche diente als "Heu-, Haber- und Brotmagazin". Im Jahre 1804 wäre das Gotteshaus als "überflüssige Nebenkirche" fast der Säkularisation zum Opfer gefallen. Der Pietät der Gemeinde verdankt sie ihren Fortbestand. Pfarrer Seitz, in Germaringen von 1894-1910 tätig, liess die Kirche 1894/97 stilgerecht durch den Kaufbeurer Maler Futterknecht restaurieren und vom Orgelbauer Hindelang aus Ebenhofen eine neue Orgel einbauen, die nach dem 1. Weltkrieg noch vergrößert wurde. Orgelrevisor Chordirektor Eugen Jocham schrieb in seinem Gutachten 1899: "Stil der Kirche angepaßte Gehäuse aus Fichtenholz, sehr schön gefaßt und vergoldet und gewiss der herrlichen Wallfahrtskirche zur Zierde und dem tüchtigen Erbauer zur Ehre."

Die letzte größere Renovierung erfolgte in den Jahren 1968-1970 unter GR Dekan Ludwig Lutz, Pfarrer in Germaringen von 1952-1987.

Die Wallfahrtskirche in Obergermaringen war eine der bedeutendsten Kultstätten St. Wendelins im Bistum Augsburg. Im 18. Jahrhundert kamen 33 Gemeinden in alljährlicher Wiederkehr hierher.

Heute wallfahren noch die Gemeinden Stetten, Kleinkitzighofen Gutenberg und Hirschzell jedes Jahr zum Hl. Wendelin nach Germaringen.

Baubeschreibung

Rocailleschnitzerei
Rocailleschnitzerei

Schiff:
17m lang, 11m breit, 10.5m hoch

Chor mit Apsis:
11m lang, 6.5m breit, 9m hoch

Langhaus:
vierachsig, beidseitig drei glatte starke Doppellisenen mit korinthischen Kapitälen. Oberhalb der insgesamt 8 Fenster schneiden die sogenannten Stichkappen tief in das im Segmentbogen konstruierte und aus Holz hergestellte Gewölbe ein.

Chor:
zweiachsig, Tonnengewölbe massiv aus Stein mit vier Stichkappen.

Halbkreisapsis:
etwas schmäler, besitzt drei Stichkappen.

Zwei Türme:
erheben sich am ersten Chorjoch und beherbergen im zweiten Geschoss sogenannte Oratorien, deren Fenster durch Brüstungsgitter aus vergoldetem Holz mit Rocailleschnitzereien (1760) verkleidet sind.

Sakristei:
längsrechteckig hinter dem Hochaltar mit Walmdach angebaut.

Ausstattung der Kirche

Die Freude der Menschen des Barock am Guten und Schönen, am Großartigen, Phantastischen ist auch in diesem Bauwerk verewigt worden. Im Innern der Kirche stehen in reicher Rahmung die Worte "Ego dabo vobis omnia bona" (Alles Gute will ich euch geben) über dem Chorbogen. Der ganze lichtdurchflutete Raum versinnbildlicht Hoffnung fromme Bewunderung und Zuversicht der Gläubigen, die ihrem Gott nicht furchtsam, sondern mit hingebungsvoller Begeisterung gegenübertraten und bereit waren, jedmöglichen Aufwand zu seiner Verherrlichung aufzubringen (nach Reinhild Christl).

Der Hochaltar (1727)

Altarfigur, Petrus in weiß und golden gefasste kraftvolle Holzstatuen
Altarfigur, Petrus in weiß und golden gefasste kraftvolle Holzstatuen

aus Stuckmarmor mit vergoldetem Bandeldekor stellt eine prunkvolle Fassade voller Dynamik dar. Das Altarbild zeigt den Kirchenpatron St. Wendelin vor der Allerheiligsten Dreifaltigkeit kniend (um 1700), flankiert von den Aposteln Petrus und Paulus - weiß und golden gefasste, kraftvolle Holzstatuen. Zwei ebenfalls weiß und golden gefasste Engel mit Rauchfass knien auf den Gesimsen der Pilaster. Zwei große Engel stehen auf Sockeln zu beiden Seiten des Altars. Über der Rundung des Altargemäldes durchbricht ein winziges gelbverglastes Rundfenster den Aufzug des Altars. Es soll das Auge Gottes versinnbildlichen und ist von einer Glorie und Putten umgeben.

Die Seitenaltäre (1727)

Blick zum Chorraum (Hochaltar)
Blick zum Chorraum (Hochaltar)

Die Seitenaltäre sind ebenfalls marmorierte Holzaufbauten. Am linken Seitenaltar ist eine Christusfigur (19. Jh.), die den Schmerzensmann darstellt; das Altarbild zeigt den hl. Johannes Nepomuk (Patron des Beichtgeheimnisses). Johannes Nepomuk, geb. um 1350, war seit 1389 Generalvikar des Erzbischofs von Prag. 1393 soll er auf Befehl König Wenzels gefoltert und in der Moldau ertränkt worden sein, weil er sich geweigert hat, dem König den Inhalt der Beichte seiner Gemahlin Anna von Baiern preiszugeben. Am rechten Seitenaltar steht die Figur einer Pieta (19. Jh.), das Altarbild zeigt den hl. Johannes Gualbertus (er hat an einem Karfreitag aus Liebe zum gekreuzigten Herrn dem Mörder seines Bruders verziehen und auf Rächung verzichtet). Unter Hinweglassung eines eigentlichen Altaraufsatzes fassen stuckierte Akanthusranken die zwei Altarbilder.

Der Volksaltar

wurde nach der Liturgiereform des Vat. 11 1967 unter Verwendung der marmorierten Holzsäulen der ehemaligen Kommunionbank (Anfang 18. Jh.) neu errichtet. Er beherbergt einen Reliquienschrein mit Reliquien der heiligen Märtyrer Rogata und Justinus.

Die Kanzel (um 1727)

Seitenaltar rechts
Seitenaltar rechts

seit der Renovierung (1968/70) ohne Aufgang, ist wiederum ein marmorierter Holzaufbau. Der Kanzelkorb wird von den weiß gefassten Evangelistensymbolen getragen (von rechts: Stier für Matthäus, Löwe für Markus, Engel für Lukas, Adler für Johannes). Am Kanzelkorb in hübsch gefassten Holzfiguren die vier abendländischen Kirchenlehrer (von links: Ambrosius, Gregor der Große, Hieronymus, Augustinus). Auf den Schwingen zweier Engelsatlanten ruht der reich geschwungene Schalldeckel. Auf ihm sitzen Putten; das Auge Gottes und ein Posaunenengel krönen das Kanzeldach.

Die Fresken (um 1700)

Seitenaltar links
Seitenaltar links

werden künstlerisch als nicht bedeutend eingestuft. Uns interessiert trotzdem ihre theologische Aussage. Vielleicht in Anspielung, dass der Kirchenpatron St. Wendelin Hirte gewesen sein soll, nehmen die Fresken Bezug auf Jesus als den guten Hirten, der sein Leben für uns hingegeben hat, ein Geheimnis unseres Glaubens, das wir in jeder hl. Messe feiern. Deswegen sind wohl auch in den Stichkappen über den Fenstern Darstellungen (Brot und Wein), die auf die hl. Eucharistie Bezug nehmen. 16 - Das Gemälde in der Mitte des Chorgewölbes stellt Jesus als den guten Hirten dar (Lk 15, 3 - 7), links des Gemäldes ist das Gleichnis vom barmherzigen Vater dargestellt, der den in die Irre gegangenen Sohn voll Freude und ohne Vorwurf wieder aufnimmt (Lk 15,11 - 32). Rechts des Gemäldes das Gleichnis von der verlorenen Drachme: Wie eine Frau mit großem Eifer die verlorene Drachme sucht, so geht der gute Hirte dem verlorenen Sünder nach, ihn zu finden (Lk 15, 8 - 10). In ostwestlicher Richtung ist je ein Engelssymbol in ein Oval gemalt. - Das Gemälde in der Mitte des Langhauses zeigt uns das letzte Abendmahl. Die darunter stehenden Worte " MAIOREM CARITATEM NEMO HABET" heißen übersetzt: "Es gibt keine größere Liebe..." zu ergänzen ist: "... als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt" (Job 15,13). - Vor dem Chorbogen finden wir eine Darstellung der wunderbaren Brotvermehrung (Mt 14,15-21), über der Orgelempore die "Messe des hl. Ulrich" (Bistumspatron der Diözese Augsburg). In den Stichkappen über den Fenstern sind die schon erwähnten "Brotund Weingeschichten", die auf die hl. Eucharistie hinweisen, auf der linken Seite aus dem Alten Testament, auf der rechten Seite aus dem Neuen Testament. Jeweils von vorn nach rückwärts gesehen:

Nordseite (links)

Altarbild: Kirchenpatron St. Wendelin vor der Alleheiligsten Dreifaltigkeit kniend (um 1700)
Altarbild: Kirchenpatron St. Wendelin vor der Alleheiligsten Dreifaltigkeit kniend (um 1700)
  • Mannalese (Ex 16,13-36)
  • Weinlese (?)
  • JosephsTraum (Gen 37, 5-8): wie sich die Garben seiner Brüder vor seiner Garbe verneigen.
  • Die Kundschafter, die aus dem verheißenen Land Kanaan zurückkehren (Ex 3, 8: "ein Land, in dem Milch und Honig fließen").'

Südseite (rechts)

Weiß und golden gefasster Engel mit Rauchfass kniet auf den Gesimsen der Pilaster
Weiß und golden gefasster Engel mit Rauchfass kniet auf den Gesimsen der Pilaster
  • Die Kelter tretenden Engel
  • Ein Rabe bringt dem hl. Paulus von Theben Brot
  • Weinwunder auf der Hochzeit zu Kana (Joh 2, 1-12)
  • Jesu Mahl mit den Emmausjüngern (Lk 24, 13-35)
  • Die drei Gemälde unter der Empore und an der Emporenbrüstung (1727) beziehen sich auf den Schutz und die Fürbitte des hl. Wendelin für Kranke und Tiere.

Die Wandmalereien

sind nach Tilmann Breuer (in: Stadt und Landkreis Kaufbeuren) "modern" (1908 von Kunstmaler Vogt, München) und erzählen die Legende über das Leben des hl. Wendelin. Im Umlauf unter dem rechten Chorfenster beginnend und unter dem linken Chorfenster endend lesen wir die Begebenheiten: - Wendelin verläßt alles, um Christo nachzufolgen - Wendelin sammelt das Almosen und wird als Hirt gedingt - Wendelin von Gott mit der Gabe der Wunderkraft geziert - Wendelin wird durch heilige Entzückung zu Gott erhoben Wendelin bekehrt seinen Herrn - Wendelins mächtige Fürbitte für das Landvolk Wendelin wird zum Abt von Toley gewählt - Wendelin, ein würdiger Vorsteher seiner geistlichen Gemeinde - Wendelin stirbt und offenbart seine Abkunft Wendelin nach seinem Tode von Gott durch Wunderwerke verherrlicht.

Die Empore

Im westlichen Schiff tragen zwei marmorierte Säulen die gerade Brüstung der Empore. Das Gehäuse der daraufstehenden Orgel stammt aus dem Jahre 1894.

Laiengestühl

Schön geschnitzt mit Akanthusranken und Fruchtgehängen sind die Eichenholzwangen des Laiengestühls (um 1700). Das alte Gestühl selbst ist bei der Erneuerung 1968-70 einem bequemeren gewichen.

Der Stuck

Das Gehäuse der daraufstehenden Orgel stammt aus dem Jahre 1894
Das Gehäuse der daraufstehenden Orgel stammt aus dem Jahre 1894

ist ein Meisterwerk barocker Handwerkskunst. Sein Charakter weist auf die Wessobrunner Schule hin und lässt Franz Xaver d. Ä. und Josef Schmuzer als ausführende Meister vermuten. Die Meister verwendeten weißen Stuck und verwandelten ihn in Arkaden aus Laub und Zweigen, formten Blütenkelche, Früchte, zauberten Gebilde und Formen. Kräftige Kränze aus Trauben und Ähren winden sich um das Deckengemälde im Schiff. Die Gewölbegrate und die Fensterumrahmungen werden von straffen Lorbeergirlanden betont. An den Gurten ranken sich regelmäßig geschlungene Akanthuszweige empor. Auch die Gewölbefelder sind von über- und untereinander hingleitendem Akanthuslaubwerk gefüllt und mit je einer Putte verziert. Gegen Mitte des Langhauses auf das Deckengemälde zu verschlingt und verdichtet sich der Akanthus und verteilt sich überquellend reich über zwei Gewölbefelder. Um das Bild über der Orgel sind Fruchtgehänge, Äpfel, Birnen und Pflaumen gelegt. Das Deckenfresko des Chores umgibt ein Kranz aus Sonnenblumen.

Epitaph

Wessobrunner Stuck
Wessobrunner Stuck

Für den opferfreudigen Pfarrer Matthias Lindenmüller, der 1782 starb, wurde ein Epitaph in die rechte Wand des Chores eingelassen; die Grabstelle war im Fußboden vor dem Chor bezeichnet, wurde aber bei der Neupflasterung nicht mehr berücksichtigt.

Die Wendelinsreliquie

Reliquienmonstranz, Augsburger Goldschmied, 1763
Reliquienmonstranz, Augsburger Goldschmied, 1763

Als kostbaren Schatz hütet die St. Wendelinskirche in einer kunstvollen Barockmonstranz eine als echt verbürgte Wendelinsreliquie (ein ca. 6 cm langer und 2 cm breiter Knochensplitter). Von Kurfürst Johann Philipp, Reichsfreiherr von Waldersdorf, war sie am 24.10.1762 dem Bischof von Augsburg übersandt worden und durch Job. B. von Bassi, Stiftsdekan von St. Moritz in Augsburg, dem Obergermaringen inkorporiert war, am 25. April 1763 der Kirche in Obergermaringen überlassen.

Gelübdetafel

Gelübdetafel, 1704
Gelübdetafel, 1704
Votivtafel aus Kleinkitzighofen, 1746 (1873 erneuert)
Votivtafel aus Kleinkitzighofen, 1746 (1873 erneuert)
Votivtafel aus aus Pforzen, 1870
Votivtafel aus aus Pforzen, 1870

Eine bittere Erinnerung aus den Jahren des spanischen Erbfolgekrieges ist die am 15. April 1704 gemachte Gefangennahme etlieher Richter und Bauern der Herrschaft Kaufbeurens und deren Verschleppung in den Arrest nach Werdenstein bei Immenstadt. Auch der Richter Matheis Buechler von Obergermaringen war darunter, der aus einer Gemeindesitzung heraus, die von kaiserlichen Husaren gesprengt worden war, als Geisel auf einem Pferd davongeführt wurde. Das gleiche Schicksal erfuhren die Richter von Untergermaringen und Oberostendorf. Mit Geld, das gebraucht wurde zur Versorgung des kaiserlichen Heeres, wurden sie wieder freigekauft. In dankbarer Erinnerung an ihre Befreiung ließen dieselben in St. Wendelin eine große Tafel aufhängen, worauf in Wort und Bild von diesem Ereignis berichtet wird:

"Anno 1705 den 15. April die ersame gemeindt oBergermaringen beisamen war von wegen denen Franzosen und 24 Hussaren die kamen an mit sambt einem offizier sie ritzenfür des Richters rauff und keiner wollt sich wagen her rauff der offizier steigt woll ab von dem pfertt und ziechet auf das Bloße Schwerdt, Er trage voll in die stuben hinEin keiner wollt der letste Rauf sein zum 1. der Bott zeigt ihn sie sollte den Matheis Buechler neme hin sie seezten ihn aufs pfertt hin auff und Ritten mit ihm zum Dorf hin aus zum 2. Geindt sie auff unterGermaringen komen und haben den Mattheis Wehrlle (?) auch gefangen und mit genomen, zum 3 seindt wir nach oberostendorf komen wir haben den Michael Heisselmair auch gefangen und mitgenomen zum 4. Seindt die Hussaren gemarschierth auff oberdorff bei der nacht und haben die gefangenen verstarcht der nacht zum 5. Sie marschierthen auf werdtach hin auff allda warthent schon die Thragoner drauff zum 6. wier stigen woll auff die pfertt hin auff und ziegen durch die schanz wasser und steg und weg auff imenstadt hin auff, zum 7. Wir seindt auff imenstadt komen so hatt die wacht die gefanginne mit genomen, zum 8. man hatt uns gevierdt fir zum graffen und obristeleuttenandt der obristeleuttenandt sprach wass macht ihr alle da, wier wissens nit was man mit bußgefangine machen will All da haben mier müssen schwören einen Aidt dass keiner vom anderen weich ohne des obristeleuttenandts bescheidts dar nach saind mier mit der wacht zum Adler wüerdt komen darnach hatt der Fenderich mit der wacht und mit denen der muskedieren uns hin wekh genomen zum 9. Dar nach hatt man uns gefierdt in thurm nacher werdenStein da haben mier vermaindt mier biessen unsser leben ein und haben und verwacht 2 hussaren mit blossen schwerdter biss die herrschaft mit gelt abkomen und hatt sie unß mit haim genomen Zu Ehren Gottes des Allmächtigen wie auch seiner liebwertisten Mutter Maria des erzengels Michael des Il. Georgi des H. Wendelini der H. patronen diese Ulrich verlobet seindt wier als damit der hie?f Gottes wieder auff Freyen juss gestillet worden seyn."

Pfarrer und Pfarrgemeinde wünschen allen Besuchern der St. Wendelin-Wallfahrtskirche, dass sie auf die Fürsprache des hl. Wendelin von Gott reichen Segen empfangen und unter seinem Schutz gesund an Leib und Seele alle Ziele ihres Lebens und einst das ewige Leben erreichen dürfen, wie einst die Stifter V. u. Afra Neumayer v. Pforzen, von denen die Votivtafel im nördlichen Turmuntergeschoss mit folgenden Versen stammt:

"Da man schrieb das Jahr acht zen hunder SiebzigWolte jeder in das Pasionsspiehl schaunDa fuhr Ich mit meine Pfert zu hützigUnd verunglückte noch vor AmergauDoch nicht verzagt es fühl mir einDas St. Wendelin kann mein helfer seinDrum Dank ich Dier und bringe hierDiese Tafel zum Geschenke Dier."

Anhang, Quellen und Literatur

Kath. Pfarramt zum 300-jährigen Jubiläum, 1997
87656 Germaringen
Telefon: 0 83 41 / 6 52 13

Legende des Hl. Wendelin und Baugeschichte der Wallfahrtskirche:
Hildegard Stellmach

Baubeschreibung:
Josef Währinger

Digitale Umsetzung und Programmierung:
Bernhard Biechele

Gebete aus einem Andachtsbüchlein "ST. Wendelinus":
Auer-Verlag 1877

Das große Buch der Heiligen:
Melcher, Südwest-Verlag

Die Heiligen im Jahr des Herrn:
Schnitzler, Herder-Verlag

"Obergermaringen" 1928:
J.Sieber

Das Bistum Augsburg, 1896:
A.Steichele - A.Schröder

Seminararbeit für Heimatkunde:
Reinhild Christl, 1975

Kurzbeschreibung "Wallfahrtskirche St. Wendelin":
Msgr. Wilhelm Tome, Ortsgeistlicher